Michael Scheifele, Geislinger Zeitung vom 01, August 2018
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Bild: Markus Sontheimer, Geislinger Zeitung

Bild: Markus Sontheimer, Geislinger Zeitung

Wir bauen unsere Hütten fast alleine“, erzählt Lars stolz. „Unsere Betreuer haben nur die Pfosten aufgestellt.“ Der junge Bauarbeiter und seine Freunde schwingen seit Montag im Abenteuerdorf des Stadtjugendrings Hammer und Säge und haben den größten Spaß beim Schaffen an ihren Bauwerken.

Zum 27. Mal findet die Ferienfreizeit bei den Siebenquellen im Geislinger Katzenloch statt. Dieses Jahr dreht sich alles um Inkas und Azteken. Die Teilnehmer im Alter zwischen sieben und 13 Jahren begeben sich eine Woche lang auf die Spuren von Indiana Jones: Sie erkunden antike Kulturen und machen sich auf die Suche nach dem verlorenen Schatz. Nach dem ersten Tag steht plötzlich eine mysteriöse Pyramide auf dem Gelände – darin soll ein Schatz versteckt sein. Die Abenteurer müssen sich allerdings noch gedulden: Sie lösen heute auf einer Wanderung Rätsel, um an die Schlüssel für die Pyramide zu kommen. Eine Herausforderung ist es, Hieroglyphen zu entschlüsseln.

Fürs Bauen der Holzhütten – wichtiger Bestandteil des Abenteuerdorfs – bleibt aber genügend Zeit. Auf dem Gelände wuselt es: Die Mädchen und Jungen holen große Holzstücke ab, sägen sie zurecht und hämmern sie mit Nägeln fest. Der achtjährige Ole hat für seine Hütte sogar einen Plan gezeichnet: Darauf sind Balkon und Turm vorgesehen. Die Baumaterialien erwirtschaften die Kinder zum Teil selbst, indem sie Dienstleistungen anbieten. Dabei gibt es eine besondere Währung: „Für eine Massage bekommt man drei Nägel“, erzählt Danny. Nachschub an Baumaterial gibt es aber auch im dorfeigenen „Baumarkt“.

„Wir wollen eine Schnapsbar aufmachen“, verrät Danny. „Darin kann man dann Tee trinken.“ Die Dorfinfrastruktur soll schon bald stehen: Geplant sind Polizei, Post, Wellness-Salon und Nagelstudio. Manche Bewohner haben an ihren Hütten Briefkästen angebracht und schreiben sich gegenseitig Briefe.

Eine besonders fleißige Jungs gruppe sticht heraus: Ihre Hütte ist schon fast fertig. „Unser Plan ist es, am Anfang zu arbeiten, damit wir später chillen können“, erklärt Lars. Der Wunsch ist angesichts der Hitze verständlich.

Die Siebenquellen versprechen Abkühlung. Kinder schwingen sich an einem Seil wie Tarzan über das Wasser. Die anhaltende Trockenheit macht sich allerdings bemerkbar: „Früher konnte man hier immer baden, jetzt reicht das Wasser gerade mal bis zu den Knien“, erzählt Lars. Dafür gibt‘s zur Abkühlung zusätzlich eine Wasserrutsche, auf der es rasant bergab geht.

17 Betreuer ermöglichen als Ehrenamtliche das Ferienspektakel. Einige nehmen extra Urlaub, um im Abenteuerdorf mitzuhelfen. „Manche sind schon seit 20 Jahren dabei“, sagt Betreuer Gabriel Kovak. Nina Brandl erzählt: „Ich habe als Kind schon mitgemacht und bin jetzt Betreuerin. Ich komme jedes Jahr her, weil es einfach Spaß macht.“

Am Freitag feiern alle Dorfbewohner gemeinsam die „Nofrefete“: Die Eltern der Teilnehmer sind zu Kaffee und Kuchen eingeladen und können besichtigen, was während der Woche alles im Abenteuerdorf entstanden ist. „Darauf freue ich mich“, meint ein Mädchen. „Dann wird endlich die Hüpfburg aufgebaut.“